| LIPIZZANER
- DIE SLOWENISCHE ZUCHTPERLE |
| Stubenberg (1662) berichtet:
„Sehr bekannt waren wegen ihrer Kraft und
außerordentlichen Langlebigkeit die Karstpferde, die oft
noch mit 30 Jahren arbeitsfähig sind. Der Kaiser und
später die Fürsten hatten hier (das Karstgebiet in
Slowenien) eigene Gestüte, das bekannteste war das
Edlingersche (in Prestranek neben Lipizza). Diese
Gestüte züchteten die sehr kostbaren und starken
Karstpferde.“ Ähnlich schrieb Valvasor (1689):
„Unter den Pferden rühmt man in ganz Europa die
Karstpferde, welche in Crain (Großteils heutigen
Sloweniens) gezogen werden: sonderlich wegen ihrer
Dauerhaftigkeit: denn sie leben lange und halten sowohl
die Arbeit als den Ritt langbeharrlich aus. Wie sie dann
auch weil sie noch jung dazu gewähnt werden, indem man
sie auf lauter Stein und Felsen läßt weiden.“ Heute
urteilt der weltberühmte Lipizzaner Ursprungforscher,
Dr. Heinz Nürnberg (1993): „Haben Andalusier,
Neapolitaner und Araber den Lipizzaner maßgeblich mit
geformt, so bildete das einheimische, bodenständige
Karstpferd die Basis der Zucht.“
Lipizza - Karst - Slowenien Slowenien ist ein kleines Land, positioniert auf der sonnigen Seite der Alpen, zwischen Italien, Österreich, Ungarn und Kroatien. Die Geschichte des Landes und des Volkes kann man weit in die Geschichte zurückverfolgen. Die Großeltern heutiger Slowenen, die Veneten, galten schon vor dem römischen Imperium als große Technologen, Kampfstrategen und Pferdezüchter. Sie züchteten die sehr geschätzten Karstpferde, die als Vorfahren heutiger Lipizzaner gelten. Karst, original Kras, ist ein
slowenisches Wort, das in viele andere Sprachen
übernommen wurde. Das Wort der Karst, wörtlich
übersetzt „eine Pracht“, beschreibt eine
geheimnisvolle Gegend in Slowenien, in der es eine
eigenartige Pflanzenwelt mit vielen Föhren, mit
Wacholder, scharfem Gras auf steinigem Grund,
unterirdische Grotten, Flüsse, die in der Erde
verschwinden und periodische Seen etc. gibt. Karstpferde im Altertum und Mittelalter Schon im Altertum wurden die Pferde aus dem Karst hoch angesehen. Sie galten als ausdauernde, kräftige und sehr schnelle Pferde. Deshalb wurden sie bevorzugt in den Quadrigen bei Wagenrennen des alten Rom eingesetzt. Den Römern waren die vorzüglichen Pferde aus dem steinigen Karstgebiet bekannt, weshalb sie an der Quelle des Flusses Timavus, ebenfalls Karst, einen Tempel erbauten, der dem Gott Diomedes, einem Pferdeschutzpatron, geweiht war. In dem Mittelalter genossen die
Karstpferde hohes Ansehen als Turnier- und
Militärpferde. Dabei hatten die kleineren Karstpferde
den Ruf als besonders erfolgreiche Lastpferde für den
Transport von der Küste zum bergigen Inland. Die Ritter
des 15. und 16. Jahrhunderts setzten sie wegen ihres
Mutes, ihrer Kraft, Ausdauer und Schnelligkeit bevorzugt
bei Kriegszügen ein. Dies symbolisiert auch eine Statue
des Künstlers Andrea del Verrocchio (1435-1488) in
Venedig, die den Ritter Colleoni (1479-1488) auf einem
Karstpferd darstellt. Diese Statue ist gut 100 Jahre
älter als das erhaltene Dokument von 1580, mit wem der
Habsburger Erzherzog Karl II das Dorf Lipizza gekauft
hat. Nicht nur Venedig wurde nach dem 5. Jahrhundert aus
Eichenpfeilern aus dem Hinterland, Karst, erbaut, sondern
auch die Ritter von Venedig waren mit Karstpferden
beritten. Karstpferde nach der Gründung der Hofreitschule in Wien und das kaiserliche Karstpferdegestüt in Lipizza Im Jahr 1580 kaufte der Erzherzog Karl II das Dorf Lipizza mit dem umgebenden Karstgelände. Sein Ziel war die Versorgung der Wiener Hofreitschule mit erstklassigen Dressurpferden. Aus den erhaltenen Dokumenten kann man schließen, daß es in dem Dorf schon vor dem Jahr 1580 ein Karstpferde-Gestüt gab. Die aus dem Dorf und der umgebenden Karstregion stammenden Pferde bedeuten den Ursprung der Lipizzanerzucht. Schon zu Beginn des Kaisergestütes wurde frisches Fremdblut verwendet. Die Blutauffrischung erfolgte zunächst mit Andalusiern, später dann noch mit Neapolitanern und Arabern. Diese Rasse wurde noch mindestens zwei Jahrhunderte als Karster Rasse Lipizzaner Zucht oder kürzer Karstpferde bezeichnet, bevor sich der Name Lipizzaner, nach dem Dorf Lipizza (slowenisch Lipica geschrieben), manifestierte. Das Dorf Lipizza bekam schon vor vielen Jahrhunderten seinen Namen, was wörtlich übersetzt kleine Linde oder Lindchen bedeutet. Dieser Baum ist in der slowenischen Mythologie der Baum des Lebens und zählt noch heute zu den wichtigsten slowenischen Nationalsymbolen. Die Pferde wurden weiterhin für Kriegszüge, Herren- und Postkutschen benutzt. Die besten Hengste kamen an die Wiener Hofreitschule zur Ausbildung zu elitären Dressurpferden. Von dort kehrten sie erst nach knapp zwei Jahrzehnten erfolgreicher Arbeit unter dem Reiter als Deckhengste nach Lipizza zurück. Zur Erinnerung an jeden Junghengst, der Lipizza verließ, wurden drei Linden gepflanzt. Die so entstandene, ins Gestüt führende, Lindenallee ruft noch heute eine geheimnisvolle Atmosphäre hervor, die an die alte Barok-Epoche erinnert.
Lipizzanerzucht in Slowenien heute Nach der Gründung des Gestütes wurden die Lipizzaner noch drei Jahrhunderte überwiegend nur in der slowenischen Karstregion gezüchtet. An der Zucht arbeiteten vor allem einheimische Pferdekenner. Erst später kamen andere Gestüte dazu, z.B. 1920 Piber in Österreich. Auch heute gilt Lipizza noch als Heimat der Lipizzaner. Nach den Wirren des zweiten Weltkriegs wuchs neben dem Gestüt ein, auf hohem Qualitätsniveau befindliches, Reitzentrum heran. Neben den historischen Gebäuden gibt es heute 4 Reithallen, 6 Reitplätze und 2 Hotels, die den Pferdesport als Kern des touristischen Angebots in dem ruhigen Karst darstellen. In der klassischen Reitschule von Lipizza stellen die professionellen Reiter regelmäßig Elemente der klassischen hohen Dressur vor, wozu auch Piaffe, Passage, Levade, Courbette und Capriole gehören. Die Reitschule bietet auch Reitkurse mit Unterricht vom Anfänger bis hin zum höchsten Niveau Klassischer- oder Sportdressur an. Die starke Bindung slowenischer Pferdezüchter zu ihrer einheimischen Pferderasse zeigt sich in der qualitätvollen privaten Zucht. Die Züchter sind im Lipizzaner Zuchtverband Slowenien zusammen geschlossen. Dieser Zuchtverband zählt über 250 reinrassige Lipizzaner, davon über 90 Zuchtstuten. So sind, addiert man den Lipizzanerbestand von Lipizza und der Privatzucht, deutlich über 500 reinrassige Lipizzaner in Slowenien registriert. Weltweit wird der Lipizzanerbestand auf etwa 2.500 Pferde geschätzt, wobei die slowenische Herde wegen der Anzahl, wie auch der hohen Qualität den wichtigsten Zuchtkern bildet. In dem Zusammenhang verpflichtete sich die Republik Slowenien 1996 mit einem Gesetz für die weitere Entwicklung der slowenischen Gesamtherde Sorge zu tragen. Wobei sich die Gesamtherde aus Pferden zusammensetzt, die dem Lipizzaner Zuchtverband Slowenien und der Wiege des Lipizzanerpferdes, dem Gestüts Lipizza, angehören. Lipizzaner als Sportpferd Der Lipizzaner ist seit Jahrhunderten auf seine Reitpferdeeigenschaften hin gezüchtet worden. Deshalb genießt er auch heute noch den Ruf eines Spitzendressurpferdes. So sind die Reiter des „Lipizza - Teams“ auf Europa- und Weltturnieren anzutreffen. In den achtziger Jahren gehörten die Hengste Maestoso Monteaura und Maestoso Wera zur Spitze der Sportdressur und nahmen auch an der Olympiade 1984 in Los Angeles teil. Der Hengst Maestoso Monteaura gewann 1983 den Grand Prix Special in Rom. Der Lipizzaner ist aber auch in anderen Sparten des Pferdesports anzutreffen. Für dieses, seit Jahrhunderten unverändert auf Leistung gezogene, Pferd ist die hohe Leistungsfähigkeit und Arbeitsbereitschaft typisch. Es besitzt einen lieben, freundlichen Charakter, ein natürliches Temperament und eine besonders starke Bindung an seinen Besitzer. Ebenso hat es von seinen Vorfahren, den Karstpferden, die für die Rasse berühmte Widerstandsfähigkeit, Ausdauer und Langlebigkeit geerbt. Lahmheiten sind bei dieser Rasse fast unbekannt. Trotzt ihres Adels benötigen sie nur wenig Kraftfutter und sind ohne Probleme für die Robusthaltung geeignet. Obwohl sie im Vergleich zu den meisten Warmblütern etwas kleiner sind, wirken sie wegen ihres kompakten Körperbaus und dem hochangesetzten, gutgeformten Hals unter dem Reiter größer. Durch die Knieaktion und die kürzeren, sicheren Schritte eignen sie sich auch hervorragend für das Gelände. Die Lipizzaner sind zusätzlich nicht nur im Fahrsport erfolgreich, sondern erfreuen sich in den letzten Jahren an immer größer werdender Beliebtheit im Freizeitbereich. So sind sie weiterhin nicht streng an die Dressur der hohen Schule gebunden, sondern können sich in Zukunft, über die Grenzen Slowenien und des Wiener Hofreitschule hinweg, an die ganze Welt als zuverlässiger Freizeitpartner empfehlen. |